Collector Talk #1: Grading – Bau­ern­fän­ge­rei oder echtes Investment?

von | 16. Mai 2016 | Collector Talk

Viele würden sich selbst wohl als Sammler bezeichnen. Aber was macht den Begriff eigentlich aus? Einige sammeln, weil Sie beispielsweise mit einer bestimmten Marke etwas Emotionales verbinden, wieder andere streben vielleicht einfach nur danach etwas ganz Besonderes und Seltenes zu finden. Aber es gibt auch diejenigen, die das Sammeln als Investition sehen und damit Profite erwirtschaften wollen. Oftmals ist es natürlich auch eine Kombination aus mehreren verschiedenen Aspekten. Ein Spiel, welches man als Kind geliebt hat und dann ungeachtet allem auf dem Flohmarkt für ein paar Mark verkauft hat. Wer kennt diese Situation nicht? Möchte man sich das Spiel Jahre oder Jahrzehnte später erneut zulegen, muss meist sehr viel Geld auf den Tisch gelegt werden. Die Jahre gehen an den Spielen schließlich nicht spurlos vorbei. Viele Exemplare wurden vielleicht auch einfach vernichtet, weil sie überproduziert wurden und keine Abnehmer gefunden haben.

Erschwerend kommt hinzu, dass früher die meisten Spiele nicht in stabilen Plastik-Hüllen verpackt waren, sondern in eher anfälligen Papp-Schachteln. Nintendo bediente sich dieser Art der Verpackungen sogar bis zum Release des Nintendo DS im Jahr 2004.

Besonders ärgerlich: Meistens konnte man nicht einmal die Papp-Verpackung öffnen, ohne einen hässlichen Knick in die Lasche zu bringen. Zudem sind Karton-Ecken sowieso sehr empfindlich und anfällig für Beschädigungen. Über die Jahre hinweg besteht darüber hinaus das Risiko, dass die Farben ausbleichen und dumpf wirken. Setzt man diesem Verfall nichts entgegen, werden die geliebten Schätze über die Zeit hinweg zumindest nicht ansehnlicher.

Und hier kommt das sogenannte „Grading“ ins Spiel. Dabei handelt es sich aber nicht um etwas, was man nur im Bereich der Videospiele findet. Ganz im Gegenteil. Besonders großer Beliebtheit erfreut sich der Grading-Service bei Comic-Büchern. Aber auch Münz- und Briefmarkensammler haben die Möglichkeit Ihre Trophäen graden zu lassen. Der Prozess ist dabei immer ähnlich. Ein Expertenteam entscheidet anhand verschiedener Kriterien, in welchem Zustand sich das zu bewertende Objekt befindet. So spielen bei Comics beispielsweise der Zustand von Heftklammern und Tinte eine wichtige Rolle. Aber auch negative Aspekte, wie Ausfärbungen, Risse, Flecken und andere mögliche Beschädigungen fließen in die Bewertung mit ein. Den wohl bekanntesten Service für Comic Bücher bietet dabei die CGC (Certified Guaranty Company). Die Firma nutzt ein sehr transparentes System und untersagt ihren Mitarbeitern sogar den kommerziellen Handel mit Comic-Bücher.

Certified Guaranty Company

Collectible Grading Authority

Diese Transparenz ist für Käufer und Verkäufer sehr wichtig und stellt beim Grading von Videospielen leider einen großen Knackpunkt dar. Die VGA (Video Game Authority) ist Teil der CGA (Collectible Grading Authority) und bot im Jahr 2008 den ersten Grading-Service für Videospiele an.

Nachdem der Zustand eines eingereichten Spieles ermittelt wurde, vergibt die VGA eine numerische Bewertung auf einer Skala von 10 („Very Poor“) bis 100 („Gem Mint) und versiegelt das Spiel in einer Acryl-Box. Während bei Comics die einzelnen Seiten angeschaut und bewertet werden können, wird es bei Videospielen kritisch, wenn diese noch original verschweißt sind. Hier muss ausschließlich anhand der äußeren Box eine Wertung bezüglich des Zustands getroffen werden. Wer also sind diese Leute, die entscheiden dürfen, ob ein Spiel eine 70 oder eine 100 auf der Skala ist und wer garantiert einem, dass nur original lizensierte Produkte und keine Wiederversiegelungen in den fest verschlossenen Acryl-Boxen landen? Gerade in diesem Bereich ist deshalb viel Erfahrung und Wissen nötig. Wer selbst schon einmal damit zu tun hatte, weiß, wovon ich spreche. So gibt es zum Beispiel unzählige Varianten, wie die Hersteller ihre Verpackungen gestalten. Nicht jedes original verpackte Nintendo-Spiel hat beispielsweise eine Plastik-Aufreißhilfe oder eine Aufreißhilfe bedruckt mit dem Nintendo-Logo. Aber sind sie deswegen gleich wiederversiegelt? In den meisten Fällen wohl eher nicht. Doch gerade im Retro-Bereich gibt es nur sehr wenige Personen, die eine entsprechende Kompetenz aufweisen. Und ob diese bei der VGA beschäftigt sind, ist fraglich.

Nintendo Streifen

Um mögliche Fehlerquoten gering zu halten, bedient man sich bei VGA einer recht effizienten Taktik. So werden oftmals eingereichte Produkte, die vom „Standard“ abweichen einfach abgelehnt.

Einer der größten Kritikpunkte, die sich die VGA anhören darf, ist ihre fehlende Transparenz. Die Kriterien für die Bewertungen wirken willkürlich und recht subjektiv. Die Webseite liefert zwar ein paar vage Beschreibungen zu den Grade-Levels aber es gibt keine wirklichen Angaben, wo genau der Unterschied zwischen einer 80, 85 oder 90 liegt. Der Kunde tappt hier im Dunklen.

Zugegeben, die Acryl-Boxen und das Zertifikat machen was her, aber ob sich der Preis dafür lohnt, muss am Schluss zum Glück doch noch jeder selbst entscheiden. Wer sich unsicher ist, sollte vielleicht noch einmal über den Kosten-/Nutzen-Faktor nachdenken. Hier ein paar Punkte, die bei der Entscheidung nicht unbeachtet bleiben sollten:

  • Wie viel hat mich der Kauf des Spiels gekostet?
  • In welcher Stückzahl wurde das Spiel produziert?
  • Wie hoch sind die Kosten des Hin- und Rückversands in die USA?
  • Was kostet mich der Grading-Service selbst?
  • Mit welcher Wertsteigerung kann ich nach dem Graden rechnen?
vga-games

Ihr könnt mir natürlich von euren eigenen Erfahrungen in den Kommentaren berichten. Wart ihr anschließend mit dem Rating zufrieden? Auch allgemeine Meinungen zu dem Thema sind sehr gerne gesehen.

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